Kleiner Bericht von unterwegs: Clamecy – Étais-la-Sauvin

Eigentlich hatte ich noch nicht mit meinen Streckenwanderungen begonnen und weilte nur für eine „normale“ Wanderung in Frankreich. Dennoch kam ich in der Nähe von Nevers nicht umher den Schienen zwischen Clamecy nach Étais-la-Sauvin einen Besuch abzustatten. Die 8 Kilometer zwischen Étais-la-Sauvin und Entrains habe ich mir nicht angesehen, hier wurde der letzte Güterverkehr bereits 2013 eingestellt. Vermutlich ist dieser Abschnitt durch die Vegetation auch schon nicht mehr begehbar. Eine kleine Vorschau gibt es nun hier zu sehen.

Der zuletzt noch bestehende Getreideverkehr zum Silo in Étais-la-Sauvin war im Jahr 2019 letztmalig gefahren und wurde 2020 nicht mehr aufgenommen. Der Grund ist mir nicht bekannt, vielleicht war es eine Überalterung der Strecke. Weit überwiegend habe ich auf der Linie Schienen aus den Jahren rund um den Bau der Strecke gefunden. Diese waren nun bereits knapp 125 Jahre alt.

Eröffnet wurde der von mir besuchte Streckenteil im Jahr 1893, die Strecke war von Anfang an zweigleisig. Betreiber war die Privatbahn PLM. Der Personenverkehr endete schon im Jahr 1938. In der Besatzungszeit wurde die Strecke 1943/1944 auf ein einzelnes Gleis zurückgebaut (vermutlich auf Veranlassung der Deutschen).

Eine umfangreiche Auswertung wird hier zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Eventuell werde ich dazu noch einen weiteren Besuch auf der Linie unternehmen. Hier aber bereits eine kleine Vorschau an Fotos, aufgenommen Anfang September 2020.

Aufgeschoben aber hoffentlich nicht für lange…

Leider ist durch das Coronavirus auch meine geplante Reise etwas ins Wasser gefallen. Eigentlich wollte ich seit dem 1. April 2020 in Frankreich unterwegs sein und wie schon 2017 und 2019 mehrere Monate durch das Land ziehen und ausgesuchte, stillgelegte Bahnstrecken bereisen. Mit der Schließung der Grenze und der Ausgangssperre ist dies aktuell leider nicht möglich. Hoffentlich gibt es bald Licht am Ende des Tunnels…

Ich werde die Situation weiter beobachten und sollte die Grenze bald geöffnet werden, trete ich meine Reise vielleicht doch noch an. Ansonsten würde es erst 2021 weiter gehen.

Da ich mich trotzdem irgendwie beschäftigen möchte, werde ich die folgenden Monate ersatzweise ein paar Wanderwege – abseits der Eisenbahn – besuchen. Berichten werde ich darüber auf diesem Blog nicht, vielleicht aber ein paar Bilder auf Instagram verteilen.

Auf bald und viele Grüße,

Christian

Streckenwanderung Saint-Dié-des-Vosges – Arches September 2019

Die Wanderung auf der Strecke Saint-Die-des-Vosges nach Arches ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben. Insgesamt 6 Tage widmete ich mich im September 2019 dieser Strecke. Ich hatte genug Zeit übrig um den überwiegenden Teil der Strecke 2x abzulaufen. Dadurch entstand eine wesentlich größere Fotoausbeute. Der Grund für diese Doppelwanderung war aber auch ein sehr bewölkter Tag, den ich daher „wiederholen“ wollte. 

Die Übersichtskarte zeigt die Bahnlinie nur noch gestrichelt

Am 6. Juli 2018 gab die SNCF unter Berufung auf die Veralterung der Infrastrukturen bekannt, dass der Schienenverkehr zwischen Arches und Saint-Dié-des-Vosges ab dem 22. Dezember desselben Jahres 2018 eingestellt wird. Seit diesem Datum haben Reisende einen Busdienst als Ersatz. Der Zeitpunkt dieser Bekanntgabe fiel voll in die Zeit der Gelbwestenproteste. Es gab heftige Proteste dagegen, die nicht überhört wurden. Der Präsident der Französischen Republik, Emmanuel Macron hat per Dekret veranlaßt, dass diese Linie wiedereröffnet wird. Im Juli 2019 kündigte die Verkehrsministerin Élisabeth Borne die Wiedereröffnung der 48 Kilometer langen Bahnstrecke für das Jahr 2022 an. Die Renovierung wird mit einem Preis von 21 Millionen Euro angegeben. Im Rahmen der Öffnung für den Wettbewerb könnte der Betrieb dann nach einer Ausschreibung der Region Grand Est von einem privaten Betreiber erbracht werden. Die Bauarbeiten bzw. erste Erkundungsarbeiten haben bereits begonnen.

Geschichtlicher Abriss:
Die Linie von Saint-Dié-des-Vosges nach Arches ist eine Eisenbahnstrecke in den Vogesen in Frankreich. Sie verbindet Arches in der Nähe von Épinal mit Saint-Dié-des-Vosges.
Die Konzession zum Bau wurde in zwei Teilen vergeben: Der Abschnitt Arches – Laveline, sowie der andere Teil Laveline bis Saint-Dié-des-Vosges (und die Zweigstrecken von Laveline nach Granges und von Saint-Léonard nach Fraize). Den Zuschlag erhielten die Firmen Compagnie des chemins de fer des Vosges und Société anonyme du chemin de fer de la Vologne. Beide Firmen vereinten sich später und erbauten die Strecken nach den erworbenen Rechten schrittweise von 1869 bis 1878. Eröffnet wurden:
03. November 1869 Arches – Bruyeres (19,3km); 20. Januar 1870 Bruyeres – Laveline (3,9km); 11. Juli 1874 Laveline – La Chapelle 2,3km); 07. Oktober 1876 La Chapelle – Saint-Dié-des-Vosges (23,4km). Stichstrecke Laveline – Ganges 1874 (5,4km), verlängert bis Gerardmer 1878 (12,5km); Stichstrecke Saint-Leonard – Fraize 1876 (4km)

1880 geriet das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage und wurde von der staatlichen Chemins de fer de l’État (kurz ETAT) überkommen. Diese gab den Betrieb vorrübergehend an die Firma Chemin de fer de l’Est ab. Zum 11. Juni 1883 erwarbt die Chemin de fer de l’Est dann schließlich das Streckennetz ganz. 1938 kam es erneut zu einem Besitzerwechsel, als die private Chemin de fer de l’Est in die staatliche SNCF überführt wurde.
Die Bahnstrecke war zunächst eingleisig eröffnet wurden. 1892 war der Ausbau auf ein zweites Gleis zwischen Saint-Dié-des-Vosges und Arches abgeschlossen wurden. Für die Verdopplung wurden 2 neue Tunnel notwendig. Teile der Bahntrasse wurden durch die Grenzlage in Kampfhandlungen beider Weltkriege beschädigt und in Mitleidenschaft gezogen. Dies ist auch sichtbar in einer sehr bunten Durchmischung der auffindbaren Schienen, die von vielen verschiedenen Herstellern stammen. Zum Einsatz kommen fast ausschließlich französiche Schienen verschiedenster Jahrgänge. Allerdings gibt es viele Flickstellen an denen amerikanische Schienen der Jahre 1917, 1918, und 1946 offenbar für einen Wiederaufbau (oder zur Wirtschaftshilfe >Marshallplan ) verwendet wurden.
Zur Zeit der deutschen Besatzung wurde das 2. Streckengleis wieder demontiert und nach dem Krieg nicht wiederaufgebaut. Die Bahnstrecke blieb eingleisig.

Bei beiden Stichstrecken sind stillgelegt: Fraize (1938 PV, 1988/ 2005 GV) und Gerardmer (1988 PV & GV).

Hier die 17 Links zu den einzelnen Beiträgen:

1. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Saint-Dié-des-Vosges – PK 46,100 (49 Fotos)
2. Teil: http://www.drehscheibe-online.de PK 46,100 – Saulcy (50 Fotos)
3. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Saulcy – Saint-Leonard (Vosges) (51 Fotos)
4. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Saint-Leonard (Vosges) – Pont de la Loge (44 Fotos)
5. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Pont de la Loge – Tunnel de Vanémont n°1 (51 Fotos)
6. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Tunnel de Vanémont n°1 – Corcieux-Vanémont – La Houssière (50 Fotos)
7. Teil: http://www.drehscheibe-online.de La Houssière – Biffontaine (49 Fotos)
8. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Biffontaine – La Chapelle – PK 24,7 (50 Fotos)
9. Teil: http://www.drehscheibe-online.de PK 24,7 – Laveline-devant-Bruyères (50 Fotos)
10. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Laveline-devant-Bruyères – Bruyères (50 Fotos)
11. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Bruyères – Tunnel de Bruyères (50 Fotos)
12. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Tunnel de Bruyères – PN 41 (50 Fotos)
13. Teil: http://www.drehscheibe-online.de PN 41 – Lepanges (50 Fotos)
14. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Lepanges – Deycimon – PN 28 (49 Fotos)
15. Teil: http://www.drehscheibe-online.de PN 28 – Docelles-Cheniménil (50 Fotos)
16. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Docelles-Cheniménil – Jarmenil (49 Fotos)
17. Teil: http://www.drehscheibe-online.de Jarmenil – Arches (50 Fotos)

Alle Fotos 1611 sind in einem einzigen Fotoalbum bei „Google Photos“ hinterlegt und über diesen Link aufrufbar:

https://photos.app.goo.gl/hkhtAoHGmC2ZbctBA

Walzzeichen

Wann immer man alten Bahnlinien folgt oder sich auf Bahngrundstücken befindet, trifft man unweigerlich auf alte Eisenbahnschienen. Nicht nur liegend am Boden damit Züge darüberfahren können, auch nach Ihrer Nutzung werden Schienen oft noch einer Vielzahl von anderen Anwendungsmöglichkeiten zugeführt. Man findet sie als Zaunpfähle, Signalmasten, Oberleitungsmasten, zu Prellböcken umgebaut, oder als Stahlbewährungen in Gebäuden. Allen Schienen geht eine Geschichte voraus: Wie alt sind sie, wo kamen sie her? Zum Glück wurden bei der Produktion von Schienen eine Vielzahl kleiner Hinweise an den Schienen angebracht: Die sogenannten Walzzeichen.

Mit Walzzeichen bezeichnet man die Kennzeichnung eines aus Metall gewalzten Trägers oder einer Schiene. Die Kennzeichnung wird als Negativform in das Fertigkaliber der Walze graviert und ergibt auf dem Produkt eine erhabene Schrift oder erhabene Zeichen, deren Art und Größe zum Beispiel für Vignolschienen in der europäischen Norm EN 13674-1 festgelegt ist.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Walzzeichen
Foto von dem Walzzeichen einer Schiene

Eisenbahnschienen waren früher das Brot- und Buttergeschäft der Stahlindustrie. Fast jedes Werk lieferte auch Schienen. Es gab hunderte verschiedene Hersteller und damit eine enorme Vielzahl verschiedenster Walzzeichen. Über den Lauf der Jahre haben immer mehr Unternehmen geschlossen oder fusionierten miteinander. Diese Vielfalt ist heute fast ganz verschwunden. In Deutschland werden seit 2013 keine Schienen mehr hergestellt.

Durch die lange Lebensdauer von Eisenbahnschienen kann man jedoch noch heute den Spuren dieser enorm ausgeprägten Industriekultur nachgehen. Einmal an Ort und Stelle können Eisenbahnschienen lange Liegezeiten von über 150 Jahren erreichen. Viele der Walzzeichen sind verwittert und nicht immer auf Anhieb direkt lesbar. Gerade die tief stehende Sonne am Abend und frühen Morgen erleichtert eine Sicht auf die Walzzeichen, die sonst vom Schatten des Schienenkopfes leicht verdeckt werden.

Schienen reisen um die Welt

Manche kleinen Walzwerke versorgten nur die Eisenbahnen in Ihrer Region, während andere nahmhafte Hersteller das ganze Land – nicht selten auch über Grenzen hinweg – Eisenbahnen mit Schienen belieferten. So wurden deutsche und belgische Schienen im Orient beim Bau der Bagdadbahn und der Hedschasbahn verwendet. Später sorgten Kriege für eine heute kaum noch nachvollziehbare Verteilung von Schienen. Die zu beseitigenden Schäden nach Luftangriffen oder die Demontage wichtiger Anlagen als Beutegut ließen Schienen auf kaum noch nachvollziehbaren Wegen durch die ganze Welt reisen. So lieferten die USA Schienen im nennenswerten Umfang nach Europa. Mit Hilfe dieser Lieferungen wurde die Französische Kriegswirtschaft im ersten Weltkrieg unterstützt, Verkehrswege ausgebaut und zerstörte Anlagen repariert. Nach Ende des 2. Weltkriegs kam es erneut zu großen Lieferungen aus Übersee, um die Kriegszerstörungen in Europa zu beheben.

Eine Vielzahl von Walzzeichen sei hier exemplarisch in einer kleinen Übersicht zusammengefasst (Stand 25.03.2020).

Hilfreich bei der Recherche waren die folgenden Seiten:

Der gleichnamige Wikipediaartikel beinhaltet bereits eine gute Auflistung von Walzzeichen überwiegend deutscher Herkunfthttps://de.wikipedia.org/wiki/Walzzeichen
Private Seite mit einem extrem umfangreichen Sortiment von Walzzeichen. http://www.walzzeichen.de/
Ebenfalls eine gute Quellehttps://www.gleisbau-welt.de/lexikon/infrastruktur/oberbau/schiene/walzzeichen/

Walzzeichen Acieries Pompey

Steht für die Firma „Société des hauts fourneaux, forges et aciéries de Pompey„. Schienen mit diesen Walzzeichen fand ich zwischen Bort-les-Orgues – Neussargues und Sembadel – Darsac.

https://fr.wikipedia.org

Walzzeichen Adour

Schienen mit dem Walzzeichen Adour fand ich an vielen Bahnstrecken in Südkrankreich. Fast ausschließlich handelte es sich dabei um Stuhlschienen, die bis Ende der 30er Jahre gewalzt wurden. Der vollständige Name der Firma lautet Forges de l’Adour. Das Werk lag an der Atlantikküste nahe von Bayonne. Im Februar 1917 wurde es von See aus von einem deutschen U-Boot beschossen.

https://fr.wikipedia.org/

Walzzeichen Alais

Auf verschiedenen Strecken in Raum von Lyon gesehen. Auf der Strecke Bonson – Sembadel, Thiers – Montbrison und an der Strecke Malesherbes – Bourron-Marlotte-Grez.

Walzzeichen Aubin

Bisher nur zwei mal in senkrechter Position gefunden. Aubin ist ein Ort an der 1858 eröffneten Bahnstrecke Rodez – Capdenac. Eine der gefundenen Schienen zeigt das Walzzeichen „68“ für 1868. Von der Firma stehen heute nur noch die Schornsteine als Denkmal.

https://fr.wikipedia.org/

Walzzeichen Beaucaire

Schienen mit der Aufschrift Beaucaire habe ich mehrfach an der Chemin de fer de la Mure gefunden. Sie gehörten wohl zu den ältesten Schienen auf der Strecke und sind nach ihrer Abnutzung heute nur noch als Zaunpfähle oder Telegraphenmasten zu sehen. Leider keine weiteren Angaben zum Hersteller gefunden.

Walzzeichen Besseges

Schienen mit dem Walzzeichen Besseges fand ich im Umkreis von Lyon und sogar bis in den Raum von Limoges. Das Werk in Besseges gehörte zur Firma „Compagnie des Fonderies et Forges de Terrenoire„. Manche der gefundenen Schienen sind datiert bis in die 1870er Jahre.

https://fr.wikipedia.org/

Walzzeichen Boucau

Eine Schiene mit dem Walzzeichen Boucau. Gewalzt im März 1891 (siehe“91-III“). Hinter dem Namen verbirgt sich die La sidérurgie du Boucau. Gefunden habe ich die Schiene auf der Linie zwischen Bonson und Sembadel.

https://fr.wikipedia.org/

Walzzeichen Steelton

Steelton ist eine Stadt in US-Bundesstaat Pennsylvania. Das dortige Stahlwerk gehörte zur Pennsylvania Steel Company, später zu Bethlehem Steel. Schienen dieser Firma, gewalzt im Jahr 1948 kamen vermutlich im Rahmen des Marshallplans nach Europa. Teilweise an der Strecke zwischen Limoges und Angouleme zu finden.

https://en.wikipedia.org/

Walzzeichen Burbach

Die Burbacher Hütte ist eine 1856 gegründete ehemalige Eisenhütte in Burbach, einem Stadtteil der Stadt Saarbrücken. Schienen dieser Hütte sind auch oft in Deutschland zu finden, haben ihren Weg aber auch nach Frankreich gefunden. Es gibt auch Stahlschwellen von der Burbacher Hütte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Burbacher_H%C3%BCtte

Walzzeichen Carnegie

Das Walzzeichen Carnegie auf einer Schiene stammt von der Firma Carnegie Steel Company aus den USA. Gefunden habe ich diese Schienen nahe der Kampfgebiete des ersten Weltkrieges. Zum Beispiel an den Bahnlinien Abbeville – Le Treport und Saint-Pol – Etaples. Aber auch auf dem Viaduc de Gien lagen Schienen von Carnegie.

https://de.wikipedia.org/

Unbekanntes Walzzeichen: CCStM

Ein Stück Schiene stand senkrecht im Boden, direkt neben der Bahnstrecke Marlesherbes – Bourron-Marlotte-Grez. Bisher ist mir leider nicht bekannt, welche Firma hinter dem Kürzel steckt. Die Schiene wurde im Februar 1889 gewalzt.

Walzzeichen CCNM

Die Abkürzung CCNM geht auf die Firma „Société des forges de Châtillon-Commentry-Neuves-Maisons„. Diese entstand 1898 aus der Fusion von „Compagnie anonyme de Châtillon et Commentry“ und „Société métallurgique de Champigneulles et Neuves-Maisons„. Schienen unter dem Kürzel CCNM sind weit verbreitet in Frankreich. Zwischen Limoges und Angouleme, in Eygurande-Merlines und in Bort-les-Orgues fand ich Schienen mit diesem Walzzeichen.

https://en.wikipedia.org/

Walzzeichen Chiers

Chiers ist die Kurzfassung der „Société des Hauts Fourneaux de la Chiers„, einer 1881 in Longwy-Bas gegründeten Firma. „Chiers“ Walzzeichen fand ich zwischen Eygurande-Merlines und Montlucon, zwischen Thiers und Montbrison, sowie auf der Strecke von Aubigny-sur-Nere nach Orleans.

https://www.industrie.lu/usinechiers.html

Unbekanntes Walzzeichen COP-R

Bis jetzt nur einmal gesehenes Walzzeichen an der Bahnverbindung zwischen Clermont-Ferrand und Lyon, auf dem seit 2016 nicht mehr befahrenen Abschnitt Thiers – Montbrison. Herstellungsjahr 1969. Wer weiß mehr dazu oder hat einen Hinweis?

Walzzeichen CORUS HY

CORUS HY ist das Walzzeichen eins niederländisch-britischen Unternehmens, das Stahl und Aluminium produzierte und 2007 von der indischen Tata Steel übernommen wurde. Der Zusatz HY steht für das Werk in Hayingen (französisch Hayange). Das Schienenwerk in Hayange wurden 2016 an Greybull Capital verkauft und anschließend in British Steel Limited umbenannt. Bis heute werden an Standort Hyange Schienen gewalzt. Ich fand Schienenstücke vom Jahrgang 2009 an der Chemin de fer de la Mure.

https://de.wikipedia.org/wiki/Corus

Walzzeichen Creusot

Schienen mit den Walzzeichen Creusot habe ich nur selten gefunden. Die Schienen stammen aus den 1870er und 1880er Jahren und waren alle nur noch in einer Zweitverwertung zu finden (z.B. als Zaunpfähle). Das Werk, das diese Schienen hergestellte liegt im Ort Le Creusot im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne-Franche-Comté.

Walzzeichen Denain

DENAIN-Walzzeichen habe ich öfters gesehen. Überwiegend aber in stehend und nicht liegend, wie es für Schienen üblich wäre. Zwischen Etaples – Saint-Pol und Bonson – Sembadel fand ich mehrere solche Schienen als Zaunpfähle. Die Schienen stammen vermutlich vom Hersteller „Société des hauts-fourneaux, forges et aciéries de Denain et d’Anzin„. Die beiden Orte Denain und Anzin liegen in Nord-Frankreich. Es gab eine enge Bindung mit der Eisenbahngesellschaft Chemins de Fer du Nord.

https://en.wikipedia.org/

Walzzeichen DOMINION

Schienen von Dominion habe ich lediglich aus den Produktionsjahren 1946 und 1947 gesehen. Der volständige Name lautet „Dominion Steel and Coal Corporation„. Diese US-Amerikanischen Schienen kamen kurz nach dem zweiten Weltkrieg nach Frankreich und dienten dem Wiederaufbau. Die SNCF verwendete sie überall dort wo Kriegsschäden beseitigt werden mussen und später auch andernorts. So gesehen zwischen Saillat-Chassenon – Angoulême, Thiers – Montbrison und Aubigny-sur-Nere und Orleans.

Dominion Steel and Coal Corporation

Walzzeichen ENSIDESA

ENSIDESA ist ein spanischer Stahlkonzern der nach mehreren Zusammenschlüssen nun unter dem Namen Arcelor produziert. Ich fand in Frankreich bisher nur eine Schiene dieses Herstellers

https://en.wikipedia.org/wiki/Aceralia

Walzzeichen FIRMINY

„Société anonyme des aciéries et forges de Firminy“. Das Walzzeichen FIRMINY habe ich bisher eigentlich immer nur an Weichen gesehen. Auf einem Stück Schiene ist es mir noch nicht vollständig begegnet. Firminy ist eine Gemeinde und Industriestadt bei Saint-Étienne im Département Loire in der Region Auvergne-Rhône-Alpes.

Walzzeichen H. WENDEL & J. WENDEL

Beide Walzzeichen gehen auf die Famille de Wendel zurück. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die von den Wendels dominierte lothringische Stahlindustrie insbesondere dank des Ausbaus der Eisenbahnen erheblich.

https://de.wikipedia.org/wiki/De_Wendel

Walzzeichen HAYANGE

Hayange (deutsch Hayingen) ist eine französische Gemeinde im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Seit 1704 war Hayange von der Eisen- und Stahlindustrie geprägt. In den 1970er und 1980er Jahren wurden zahlreiche Betriebe stillgelegt.

Unbekanntes Walzzeichen H_VEZIN-A.YE

Lange habe ich über dieses Walzzeichen gerätselt und bin noch immer zu keinem Ergebnis gekommen. Entlang zweier unterschiedlicher Bahnlinien im Süden Frankreichs begegneten mir diese Schienen: Arreau – Lannemezan und im Bahnhof Quillan. Wer kann helfen?

Walzzeichen HY

Steht bis 2010 für das Walzwerk Hayingen. Heißt heute als CORUS HY.

https://de.wikipedia.org/wiki/Corus

Walzzeichen ISBERGUES & ISB

Isbergues im Département Pas-de-Calais in der Region Hauts-de-France. Hier gab es eine umfangreiche Stahlindustrie, die vom Bergbaugebiet am Nord-Pas-de-Calais profitierte. Die Reste dieser Betriebe gehören heute zur Firma ArcelorMittal. Isbergues-Schienen habe ich als Vignolschienen und auch in älteren Formen als symmetrische Stuhlschienen – auch DC-Schienen („Double Champignon“) genannt – gefunden.

Walzzeichen JOEUF

Die Usine de Joeuf liegt im gleichnamigen Ort Jœuf. Dieser ist eine französische Gemeinde im Département Meurthe-et-Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). In der Stadt gab es bis zu 9 Hochöfen. Die ersten beiden gingen 1882 in Betrieb.

https://www.industrie.lu/usinejoeuf.html

Walzzeichen KNUTANGE

Die herstellende Firma kommt aus dem gleichnamigen Ort Knutange (deutsch Kneuttingen). Sie ist eine französische Gemeinde im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Der Ort hat eine lange Industriegeschichte. Das Hüttenwerk Kneuttingen war von 1895 bis in die 1970er Jahre in Betrieb.

https://industrie.lu/usineknutange.html

Walzzeichen Lackawanna

Schienen mit dem Walzzeichen Lackawanna begegneten mir in Frankreich bisher auf zwei verschiedenen Bahnlinien: Zwischen Thiers und Boen (2016 geschlossen) und zwischen Saillat-Chassenon und Angoulême (Frühjahr 2018 geschlossen). Lackawanna war ein Stahlwerk aus den USA und gehörte zu den Lieferanten die Schienen nach Frankreich lieferten (als Teil des Marshallplans und auch schon davor).

https://en.wikipedia.org/wiki/Lackawanna_Steel_Company

Walzzeichen LONGWY

Hersteller dieser Schienen war die Société des aciéries de Longwy. Das 1880 gegründete Werk scheiterte anfangs daran Stahlschienen mit der von den Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) geforderten Qualität herzustellen. Erst unter dem neuen General Manager Alexandre Dreux gelan es die Qualität zu erhöhen. Sogleich wurde ein Großauftrag an Schienen erhalten, der die Firma gesundete. Die Aciéries de Longwy hatte 1913 7.000 Arbeiter. Es war der drittgrößte französische Roheisenproduzent mit 390.000 Tonnen und der zweitgrößte Stahlproduzent mit 345.000 Tonnen.

https://en.wikipedia.org/wiki/Aci%C3%A9ries_de_Longwy

Walzzeichen LORRAINE ESCAUT

Lorraine-Escaut war ein französischer Stahlkonzern, der 1953 durch eine Fusion entstand. Beteiligt waren die Firmen Escaut-et-Meuse, Aciéries de Longwy und Senelle-Maubeuge mit ihren Tochtergesellschaften von Tubes de Bessèges und den Minen von Jarny. 1967 fusionierte Lorraine-Escaut mit Usinor. Schienen mit den Walzzeichen Lorraine-Escaut entstanden nur zwischen 1953 und 1967.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Lorraine-Escaut

Walzzeichen MARMICHE

Marmiche ist ein Kunstwort und geht aus den gemeinsamen Aktivitären der Firmen Compagnie des Forges et Aciéries de la Marine et d’Homécourt und Société des Aciéries de Micheville hervor. Beide Firmen hatten nach dem Weltkrieg weitgehend zerstörte Anlagen und schlossen sich daher 1919 unter dem Namen Marmiche zusammen.

Walzzeichen MARYLAND

Auch das US-Amerikanische Stahlwerk Maryland Steel Co lieferte kurz nach dem 2. Weltkrieg Schienen nach Europa. Die Lieferungen waren wohl für die französische Eisenbahn bestimmt um die Kriegszerstörungen zu beseitigen. Die Firma Pennsylvania Steel baute 1897 ein neues integriertes Hüttenwerk zur Schienenproduktion in Sparrows Point bei Baltimore namens Maryland Steel Co. Diese Tochtergesellschaft wurde zusammen mit der Mutter 1916 von Bethlehem aufgekauft.

https://en.wikipedia.org/wiki/Sparrows_Point,_Maryland

Unbekanntes Walzeichen MICH WS

Vielleicht eine Variante vom Herstelle Société des Aciéries de Micheville (siehe Micheville)?

Walzzeichen MICHEVILLE

Sehr weit verbreitetes Walzzeichen, welches an vielen französischen Bahnlinien zu finden ist. Der volle Name lautet Société des Aciéries de Micheville. Heute gehört das Werk zum Usinor-Konzern.

https://www.industrie.lu/usinemicheville.html

Unbekanntes Walzzeichen NMC

Mehrfach in Frankreich gesichtet. Deutet auf einen französischen Hersteller hin. Suchen im Internet bisher ohne Erfolg.

Walzzeichen NORD EST

An Bahnstrecken der Eisenbahngesellschaft Compagnie des Chemins de fer du Nord-Est gefunden. Damals häufige Praxis, dass nicht der Hersteller der Schienen, sondern die belieferte Eisenbahn auf den Schienen genannt wurde. Gleiches wurde auch bei der PLM (Compagnie Paris-Lyon-Méditerranée).

https://de.wikipedia.org/wiki/Compagnie_des_Chemins_de_fer_du_Nord-Est

Walzzeichen OUTREAU

Outreau ist eine französische Gemeinde im Département Pas-de-Calais in der Region Hauts-de-France. Hier gab es eine Firma namens Aciéries Paris Outreau. Bisher nur an Weichenherzstücken gesehen.

Walzzeichen POMPEY

Steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Walzzeichen Acieries Pompey.

Walzzeichen REHON (Dreick mit Oval)

Die Stadt Réhon ist vor allem für ihre Stahlindustrie mit der Fabrik La Providence Réhon bekannt. 1914 produzierte die Fabrik noch 180.000 Tonnen Roheisen, musste aber dann im ersten Weltkrieg geschlossen werden. 1955 hatten die fünf Hochöfen eine Produktionskapazität von rund 516.000 Tonnen Roheisen pro Jahr. Am 19. Dezember 1979 wurde die Réhon-Fabrik von der französischen Gruppe Usinor gekauft. 1987 musste die Produktion eingestellt werden.

https://fr.wikipedia.org/wiki/La_Providence_R%C3%A9hon

Walzzeichen RODANGE & RODINGEN

Hersteller Minière et Métallurgique de Rodange. Rodingen (frz.: Rodange) ist eine Ortschaft im Großherzogtum Luxemburg. ArcelorMittal ist einer der größten Arbeitgeber in Rodingen. Ein Walzwerk zur Herstellung von Kranschienen, Spundwänden und Spezialprodukten sowie ein Walzwerk für Betonstahl-Bewehrungsstahl wird in Rodingen betrieben.

https://en.wikipedia.org/wiki/Mini%C3%A8re_et_M%C3%A9tallurgique_de_Rodange

Walzzeichen ROMBAS & ROMBACH

Zwischen Thiers und Montbrison sah ich mehrere Stahlschwellen, hergestellt in den 30er Jahren. Das Werk wurde 1888 unter dem Namen Rombacher Hüttenwerke gegründet, als Rombach (frz. Rombas) zwischen 1871 und 1918 zum Deutschen Reich gehorte. 1919 erfolgte die Enteignung der aus Koblenz stammenden Gründerfamilie. 1940 kam das Werk wieder unter deutschen Einfluß und wurde am 1. März 1941 treuhändisch dem Flickkonzern zugeteilt. Nach dem Krieg kam das Unternehmen im guten Zustand wieder in französischen Besitz.

https://de.wikipedia.org/wiki/Rombacher_H%C3%BCttenwerke

Walzzeichen ACIER-MANGANESE-SCHNEIDER

Walzzeichen auf Weichenteilen und Herzstücken. Keine weiteren Informationen bekannt.

Walzzeichen SENELLE

Das Walzzeichen geht zurück auf die Firma Société Métallurgique de Senelle-Maubeuge. Das Werk war in Longwy beheimatet. Longwy ist eine französische Stadt im Département Meurthe-et-Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen).

https://rail.lu/usinesenellemr.html

Walzzeichen SMN CAEN

Walzzeichen der Firma Société métallurgique de Normandie. Das Unternehmen wurde 1917 gegründet und 1993 geschlossen. Der Hauptsitz befand sich in Mondeville, aber hauptsächlich in der Stadt Colombelles im Ballungsraum Caen. 1938 produzierte die Fabrik 250.000 Tonnen Stahl. Der Zweite Weltkrieg unterbricht die Aktivität. Die deutschen Behörden ordnen nach und nach die Rückkehr zur Arbeit an, was jedoch aufgrund der Schwierigkeiten bei der Lieferung von Rohstoffen, insbesondere Kohle, nur teilweise möglich ist. Gehörte später zur Usinor-Sacilor-Gruppe und wurde 1993 geschlossen.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Soci%C3%A9t%C3%A9_m%C3%A9tallurgique_de_Normandie

Walzzeichen ST JACQ

Geht vermutlich auf das Walzwerk St. Jacques in Hayange zurück.

https://www.industrie.lu/usineSaintJacquesHayange.html

Walzzeichen ST NAZAIRE_TRIGNAC & TRIGNAC

Die Forges de Trignac sind ein metallurgisches Industrieunternehmen, das in der Gemeinde Trignac in der Nähe von Saint-Nazaire in der Loire-Atlantique lag. Die Schmiede wurde 1879 von Société des Mines de Fer d’Anjou gegründet. Die Schmieden wurden 1932 wieder geschlossen und 1939 wiedereröffnet, um an den Kriegsanstrengungen teilzunehmen. Sie operierten unter deutscher Besatzung und dann nach dem Krieg weiter. Die Tätigkeit 1947 eingestellt wurde.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Forges_de_Trignac

Walzzeichen TERRENOIRE

Vollständiger Name Compagnie des Fonderies et Forges de Terrenoire. 1878 war es der größte Hersteller von Bessemer-Schienen in Frankreich. Vom Walzwerk Terrenoire fand ich Schienen aus den 1880er Jahren im Bahnhof Aubigny-sur-Nere.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Compagnie_des_Fonderies_et_Forges_de_Terrenoire

Walzzeichen VILRU

Abkürzung für Villerupt. Dieser Ort liegt südöstlich von Longwy. Das Walzwerk heißt mit vollem Namen Société des Laminoirs de Villerupt. Die Schienenproduktion wurde 1986 eingestellt.

https://www.industrie.lu/usineaubrivesvillerupt.html

Walzzeichen VOELKLINGEN & VÖLKLINGEN

Ehemaliges Eisenwerk in der saarländischen Stadt Völklingen. Schienen von Völklingen sind auch in Deutschland zu finden. 1873 gründete der Hütteningenieur Julius Buch bei Völklingen an der Saar ein Puddel- und Walzwerk. Carl Röchling übernahm das Werk 1881. Im Jahr 1965 zählten die gesamten Produktions- und Verwaltungsbereiche der Völklinger Hütte insgesamt 17.000 Mitarbeiter. Seit 1986 heißt das Unternehmen Saarstahl.

https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lklinger_H%C3%BCtte

Streckenwanderung: Objat – Saint-Yrieix, Mai 2019

– Willkommen zur Auswertung meiner dreitägigen Streckenwanderung von Objat nach Saint-Yrieix –

Geschichtlicher Abriss:
Der Bau der Bahnstrecke Nexon – Brive-la-Gaillarde war erst der „Compagnie du chemin de fer Grand-Central de France“ zugestanden worden. Nach deren Zusammenbruch im Jahr 1857 wurde die Konzession der „Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans“ (kurz PO) übertragen. Die Bahnstrecke zweigt am Bahnhof Nexon auf der 1861 eröffneten Bahnverbindung Limoges – Périgueux ab und erreicht nach 81 Kilometern Brive-la-Gaillarde. Die Eröffnung fand am 20. Dezember 1878 statt. Die Eisenbahnverbindung nach Toulouse konnte hierdurch um 70 Kilometer verkürzt werden und der Umweg über Périgueux wurde umgangen. Ursprünglich zweigleisig geplant, wurde die Strecke aus wirtschaftlichen Gründen schließlich einspurig gebaut. Während alle Viadukte für eine eingleisige Strecke ausgelegt sind, ist der einzige Tunnel, der 213m lange Tunnel Saint-Solve, für eine zweigleisige Strecke ausgelegt worden. Zwischen Objat und Pompadour klettert die Bahnlinie unter Zuhilfenahme von 23‰ Rampen von 131m auf 419m über normal Null. Der Verkehr auf der Strecke war beträchlich, bis im Jahr 1893 mit einer weiteren Bahnlinie über Uzerche die Reisezeit zwischen Limoges und Brive-la-Gaillarde weiter gekürzt werden. Infolgedessen wurde die Route über Nexon sehr schnell in eine Nebenrolle verwiesen, um lediglich die drei Hauptorte der Route zu bedienen: Pompadour, Saint-Yrieix-la-Perche und Objat. Auf diese Nebenrolle verdrängt, folgte eine Überalterung der Anlagen durch unterlassene Investitionen: Fast entlang der gesamten Strecke sind heute noch die alten Stuhlschienen zu sehen, von denen man sich eigentlich ab Ende der 30er Jahr verabschieden wollte. Die Bahnhofsgleise weisen Schienen auf, die bis in die 1880er Jahre datiert sind.

Übersichtskarte 1: Auf der Netzkarte der SNCF aus dem Jahr 2019 ist bie Bahnlinie zwischen Objat und Saint-Yrieix bereits nur noch gestrichelt dargestellt.

Plötzliches, aber fast erwartbares Ende im Februar 2018

Obwohl sich durch die Überalterung ein baldiges Ende abzeichnete, kam der Grund für die Einstellung des Zugverkehrs überraschend aus einer etwas anderen Richtung: Es war ein Erdrutsch der Ende Februar 2018 kurz vor dem Viaduc de Bourg den Oberbau so stark beschädigte, dass die SNCF eine Reparatur ablehnte. Der Bahndamm war an dieser Stelle bereits seit einigen Jahren sehr labil gewesen.

Ein Video zeigt die Unterbrechungsstelle und eine anschließende Demonstration für eine Wiederinbetriebnahme: https://youtu.be/-LzcVqIYG2Y.

Quelle: France 3 Nouvelle-Aquitaine

In einer Übergangsphase der darauffolgenden Wochen endeten die Züge nun in den Bahnhöfen Objat und Pompadour, 16 Kilometer voneinander entfernt. Nach einer Anpassung des Fahrplans wurde der betroffene Abschnitt auf 42 Kilometer Länge ausgeweitet und beendet damit den Zugverkehr zwischen Objat und Saint-Yrieix. Die SNCF beteuert die beiden verbliebenen Streckenstummel weiter unterhalten zu wollen. Tatsächlich wurden für die kommenden Jahre – auch mit Hilfe der Regionen – 40 Millionen Euro hierfür bereit gestellt (Quelle: https://www.francebleu.fr/). Für die 42 Kilometer zwischen Objat und Saint-Yrieix sieht es aber weiterhin düster aus. Ein Grund die Strecke zu besuchen so lange es noch geht…

Folgend eine Karte in der der nicht mehr befahrende Teil blau eingefärbt ist:

Über einen Zeitraum verteilt auf 3 Wochen habe ich eine 15-teilige Bilderserie im Forum Drehscheibe-Online hochgeladen. Alle Teile sind hier nachfolgend verlinkt:

1. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Einleitung + Objat – PK 483,500 (53 Fotos)
2. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PK 483,500 – PN 261b (52 Fotos)
3. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 261b – Gare Saint-Solve (51 Fotos)
4. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Gare Saint-Solve – Viaduc de Bourg (51 Fotos)
5. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Viaduc de Bourg – Viaduc de Rouchat (50 Fotos)
6. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Viaduc de Rouchat – PN 255b (50 Fotos)
7. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 255b – PK 470 (51 Fotos)
8. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PK 470 – Gare Pompadour – PK 466,900 (51 Fotos)
9. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PK 466,900 – PN 252b (50 Fotos)
10. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 252b – PN 251b (50 Fotos)
11. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 251b – PK 455,900 (48 Fotos)
12. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PK 455,900 – Coussac-Bonneval (51 Fotos)
13. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Coussac-Bonneval – 448,400 (51 Fotos)
14. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PK 448,400 – PK 444,500 (51 Fotos)
15. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PK 444,500 – Saint-Yrieix (41 Fotos)

Zusätzlich dazu gibt es wie gehabt einen direkten Link zu meinem bei Google Photos hinterlegten Fotoalbum. Dieses beinhaltet ein paar mehr Bilder, in einer leider nicht so tollen Darstellung wie dies im Forum auf Drehscheibe-Online.de möglich ist.

Hier der Link: (bitte Vorsicht, des Album beinhaltet eine große Anzahl Fotos, 1.433 an der Zahl:

https://photos.app.goo.gl/phNiCbL1kmJtVcXE7

Vorschau 2020

Für das Jahr 2020 plane ich erneut eine ca. 3-monatige Rundreise durch verschiedenste Regionen Frankreichs. Starten wird meine Reise am 1. April*, also knapp eine Woche früher als noch im vorherigen Jahr.

Als Reiseziele habe ich verschiedene Eisenbahnlinien, bzw. Streckenabschnitte identifiziert, die sich für eine Streckenwanderung lohnen könnten. An der Zahl sind es knapp 42 Strecken (bzw. Streckenabschnitte) die ausgewählt wurden und für deren Besuch ich Vorbereitungen getroffen habe. Der große Fahrplanwechsel zum 15. Dezember 2019 brachte nicht viele Veränderungen. So sind diesmal kaum „neue“ Strecken hinzugekommen. Damit kann ich mich weiterhin auf die nicht befahrenen Strecken der früheren Jahre konzentrieren und hier meinen Rückstand abarbeiten. Gleichwohl werde ich einigen Strecken einen 2. Besuch abstatten. Die Strecken Objat – Saint-Yrieix und Severac-le-Chateau – Rodez wurde ich z.b. gerne ein weiteres Mal besuchen.

*Edit 25.03.2020: Der 1. April gilt nun als sehr unwahrscheinlich, nachdem die Grenze geschlossen ist

Auflistung einiger der in Frage kommenden Bahnstrecken (Sortierung ohne Priorität):

Name Beschreibung / Hintergrundinfos
Neuves-Maisons – Vittel 61kmHinter Neuves-Maisons noch ein paar Kilometer für Güterverkehr geöffnet, danach ohne Verkehr.
Neuchateau – Bologne 46,7kmDie Strecke scheint seit einigen Jahren ohne Zugverkehr zu sein. Der Abschnitt Bologne – Andelot wird im Sommer von Fahrraddraisinen befahren.
Venarey-les-Laumes – Epoisses 32,7kmDie Strecke war vor einigen Jahren noch für den Güterverkehr geöffnet, wurde aber schon länger nicht mehr befahren. Ein Verein von Eisenbahnfreunden würde die Strecke gerne befahren, konnte aber noch keine Einigung mit der SNCF erreichen. Mitglieder des Vereins Association du Chemin de fer Touristique de l’Auxois haben im Winter 2019 / 2012 die Strecke freigeschnitten.
Morlaix – Roscoff 25,5kmWurde durch einen Erdrutsch am 3. Juni 2018 unterbrochen. Die zur Küste führende Strecke wurde damit unterbrochen. Ein eingeschlossener Nachverkehrszug wurde später auf der Straße evakuiert. Eine Beseitiung des Schadens ist nicht geplant
Loudéac – Saint-Brieuc 48,6kmZuletzt nur noch für den Güterverkehr geöffnet gewesen. Am 18. Januar 2017 wurde von einem Zug ein entgleister Wagen auf einer Länge von 40 Kilometern mitgeschleift und richtete verkehrende Schäden an der Strecke an. Seitdem ist auf der Strecke kein Zugverkehr mehr möglich. Ein Verein von Eisenbahnfreunden in Loudéac kämpft für eine Wiedereröffnung (siehe www.cfcb-asso.org.)
Parthenay – Saint-Varent 31,2kmDie Linie war zuletzt nur noch für den Güterverkehr geöffnet und wurde ca. 2015 zuletzt befahren. Nur der weiter südliche liegende Streckenabschnitt wurde nach 2018 instandgesetzt.
Saint-Yrieix-la-Perche – Objat 41,6kmSeit Frühjahr 2018 ohne Zugverkehr. Wie auch bei Morlaix – Roscoff war es ein Erdrutsch der zur Aussetzung des Zugverkehrs führte. Auf dieser Linie wanderte ich bereits im Mai 2019. Gerne würde ich diese Wanderung wiederholen und die Strecke ein zweites Mal besuchen.
Montrejeau – Luchon 35,7kmZum 18. November 2014 wurde der Zugverkehr wegen einer Überalterung der Anlagen eingestellt. 2018 wurde die elektrische Oberleitung entfernt. Eine Wiedereröffnung ist immer wieder mal geplant aber steht noch in weiter Ferne.
Angouleme – Saillat-sur-Vienne 71,9kmZwischen Limoges und Angouleme wurde dieser Abschnitt im Frühjahr 2018 als unbefahrbar erklärt. 2019 besuchte ich die Linie und würde sie gerne 2020 erneut besuchen, wenn ich die Zeit dazu habe.
Castelnaudary – Revel 26,5kmSeit einigen Jahren ohne Zugverkehrt. Eventuell schon zu weit zugewachsen.
Villeneuve l’archevèque – Troyes 42,6kmRelativ unspektakuläre Strecke auf der 2015 der letzte Zug zu einem Getreidesilo gefahren ist. Eventuell schon recht stark zugewachsen.
Rodez – Severac 43,8km2019 wanderte ich im Juni von Severac nach Rodez. Vielleicht schaffe ich es 2020 diese Strecke einmal in einer anderen Jahreszeit zu besuchen.
Espalion – Bertholene 22,8km1989 wurde die Strecke zuletzt befahren. Heute existiert sie als Radweg. Es gibt 6 Tunnel und drei Viadukte zu sehen. Auf 23 Kilometern werden 200 Höhenmeter überwunden.
Le Puy –
Lalevade-d’Ardèche („Ligne transcévenole“) 93km
An der Strecke wurde lange gearbeitet und trotzdem ging sie nie in Betrieb. Die ersten 50 Kilometer wurde ich mir gerne zu Fuß ansehen. Hier gibt es 10 Viadukte und 11 Tunnel zu erkunden. Zwei Tunnel sind mit 2.626m & 3.336m recht lang.
Saint-George-de-Commiers – La Mure 30kmAuf der La Mure Bahn war ich 2017 und 2019 unterwegs. Kurz nach meinem zweiten Besuch wurde auf einem Teilstück mit der Demontage der Schienen begonnen. Diesen Abschnitt möchte ich nochmals besuchen.
Miecaze – Bort-les-Orgues 82,6kmSehr schöne Strecke mit vielen Tunneln und Viadukten. Einige Abschnitte sind können mit Fahraddraisinen befahren werden. 2010 bewanderte ich bereits einige Abschnitte der Strecke.
Oyonnax – Saint-Claude 31km2019 besucht, nachdem der letzte Zug im Dezember 2017 befahren ist. Wenn die Zeit besteht wurde ich die Strecke ein weiteres Mal besuchen.

Zur Vorbereitung für eine so lange Reise gehört unter anderem:

  • Die Suche nach alten Postkarten auf denen Bahnhöfe, Tunnel oder Brücken zu sehen sind. Bei 42 vorbereiteten Strecken sind dies einige 100 Ortsnamen für die auch auf der Suche nach Postkarten die Seiten Ebay.fr und cparama.fr durchforstet habe. Mit Hilfe dieser alten Aufnahmen sind mir schon gelegentlich schon Vergleiche aus der Rubrik der „Früher<>Heute“ Vergleiche gelungen.
  • Ein weiterer Punkt der Vorbereitung war das Studium der Luftbilder auf Google Earth. Wo gab es Gleisanschlüße? Gibt es bis jetzt unbeachtet gebliebene Streckenverzweigungen, alte Streckenvarianten oder militärische Anschlußbahnen? Auch Google Street View ist hierbei oft sehr hilfreich.
  • Recherche im Archiv französischer Eisenbahntunnel: Welche Tunnel liegen an der Strecke und in welchem Zustand sind diese? Das Archiv ITFF listet knapp 3.000 Eisenbahntunnel. Viele der nicht mehr befahrenen Tunnel liegen brach und können unter persönlichen Vorsichtsmaßnahmen besichtig werden. Andere Tunnel sind allerdings versperrt worden, zugemauert oder zu Forschungseinrichtungen und Lagerstätten umgebaut worden. Solche Umstände muss ich bei meiner Streckenwanderung beachten und vorher mit einplanen
  • Zur besseren Orientierung unterwegs decke ich mich bereits vorab mit digitalem Kartenmaterial ein. Die sehr guten topografischen Karten von IGN (Série Bleue / TOP 25), die ich früher in Papierform gekauft habe, sind heute kostenlos im Internet verfügbar. In den von mir besuchten Regionen fertige ich Screenshots rund um die Bahnlinien an. Diese Bilddateien trage ich auf dem Smartphone mit mir. Eine GPS-Gerät habe ich nicht dabei.
  • Auf Wikipedia gibt es zu fast allen Bahnlinien ein gutes Streckenband. Entlang der Streckenkilometrierung sind hier alle Betriebsstellen (Bahnhöfe, Haltepunkte, Abzweigstellen usw.) aufgelistet. Ebenso sind auch alle Tunnel und Viadukte etc. mit Namen und Kilometrierung vermerkt. So weiß ich bei meinen Streckenwanderungen also schon grob was hinter der nächsten Kurve auf mich wartet.

2019 Überblick

Nachdem es im Jahr 2018 keine neuen Streckenwanderungen gab und ich noch mit der Bearbeitung und Veröffentlichung der 2017er Fotos beschäftigt war, ging es 2019 wieder raus in die Natur: Meine 2019er Streckenwanderung fand in den Monaten April bis Juni statt und hatten einen ähnlichen Umfang wie die Reise 2 Jahre zuvor.

In der genannten Zeitspanne reiste ich wieder quer durch Frankreich und erkundete binnen 60 Wandertagen knapp 920km französische Eisenbahnlinien zu Fuß. Damit habe ich wieder mal etwas weniger geschafft als ich mir vorgenommen habe. Einige aktuelle Bahnlinien die „frisch“ ohne Zugverkehr sind, konnte ich nun besuchen. Namentlich sind hier z.B. Objat – Saint-Yrieix, Oyonnax – Saint-Claude und Severac-le-Chateau – Rodez zu nennen. Dazu kamen noch einige weitere Linien, auf denen sich das Zeitfenster für einen Besuch nun weitgehend schließt. An anderer Stelle aber kam ich 2019 zu spät: Loches – Buzancais, Ales – Besseges und Saint-Denis-Jargeau – Aubigny-sur-Nère waren schon ziemlich stark verkrautet und bereiteten mir einige anstrengende Tage.

Die folgenden Monate und eventuell auch Jahre werde ich damit verbringen die entstandenen Fotos zu Bildreportagen – so genannten Streckenwanderungen – zusammenzustellen.  Eine Vorschau ist erreichbar über die unten aufgeführten Links. Bei zwei der aufgeführten Linien war die Fotoausbeute eventuell nicht ganz ausreichend für eine ausführliche Bildreportage.

Einige Strecken wird es nicht in einer umfassenden Auswertung zu sehen geben: Entweder waren die Gleise schon zu stark zugewachsen, oder aber der Streckenverlauf war recht bedeutungslos und langweilig. In der Liste unten sind solche Bahnstrecken mit xxx gekennzeichnet.

Die von mir bereisten Strecken,- bzw. Streckenabschnitte lauten wie folgt:

Besuchte Strecken (Vorschau erstellt)Fotos veröffentlich
Thiers – Boën (2. Besuch nach 2017)xxx
Ussel – Laqueuille (2. Besuch nach 2017) Fotobericht
Saint-George-de-Commiers – La Mure (2. Besuch nach 2017)
Collonges-Fort-l’Écluse – ZA Crozet
Oyonnax – Saint-ClaudeFotobericht
Malesherbes – Pithiviers
Pithiviers – Beaune-la-Rolande
Marlesherbes – Bourron-Marlotte-Grez
Gien – Poilly
Saint-Denis-Jargeau – Aubigny-sur-Nère
Loches – Buzancais
Saint-Yrieix-la-Perche – ObjatFotobericht
Angouleme – Saillat-sur-Vienne
Roumazieres – Confolens*xxx
Limoux – Quillan – Saint Martin Lys
Etaples – Saint-Pol-sur-Ternoise
Abbeville – Le-Tréport
Avallon – Autun
Rodez – Severac
Alès – Salindres – Bessèges
Buis – Vogüe – Le Teil**xxx
Sarralbe – Sarre-Union
Saint-Die-des-Vosges – ArchesFotobericht
Sarreguemines – Bitche

*Strecke nur zu einem kleinen Teil abgelaufen

**Die Strecke ist überwiegend in einen Radweg umgestaltet worden. Die Bilder sind daher recht monoton und langweilig. Die letzten Streckenkilometer vor Le Teil waren wegen der starken Vegetation nicht zugänglich

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In den kommenden Wochen werde ich eine kleine Vorschau zu jeder Strecke erstellen und auf meinem Blog hochladen. Die eigentliche Arbeit mit der Aufarbeitung der großen Anzahl von Fotos wird im Herbst 2019 beginnen. Nach den Erfahrungen meiner ähnlich umfangreichen Reise aus dem Jahr 2017 ist abzuschätzen, dass die gesamte Abarbeitung der oben genannten 24 Strecken und die Online Präsentation noch bis zu 2 Jahre dauern kann. Wie auch 2017, so ist nicht bei jeder Linie mit einer groß angelegte Fotoreportage zu rechnen. So manche Strecke erwies sich fototechnisch als sehr ernüchternd. Auf der Strecke Loches – Buzancais z.B. war die Vegetation so stark, dass es hier oft nicht viel zu fotografieren gab. Die Strecke Gondreville – Coudray habe ich gleich komplett aufgegeben: Die Strecke war komplett zugewachsen.

Auf vielen Strecken hat mir die Wanderung und das Fotografieren wirklich Spaß gemacht, oft waren dies auch die Tage an denen das Wetter stimmte. Ich will aber auch ehrlich sein: Es gab auch Strecken die abzulaufen mir keinen Spaß bereitet hat. Manchmal war die Streckenführung sehr langweilig, das Wetter schlecht und manchmal hat man auch einfach mal einen schlechten Tag erwischt. Andere widrige Umstände führten dazu, dass ich hin und wieder auch mal ein paar Streckenkilometer aussetzen musste. 

Die während der Reise gemachten Fotos sind in ihrer Anzahl und der Datenmenge enorm. An Spitzentagen kam ich auf fast 3.000 Fotos. Es gilt daher nun die 3,84 TB an Daten zu sortieren, zu beschriften und in der Folgezeit auszuwerten. Das bedeutet aus knapp 77.000 Fotos das wichtigste heraus zu filtern, die Fotos zu bearbeiten, hochzuladen und zu beschriften – Ein langwieriger Prozess. Schließlich ist dies nur ein Hobby und die gesamte Arbeit erfolgt in der Freizeit.

Da ich nicht alle mir vorgenommenen Strecken ablaufen konnte, wird es wahrscheinlich schon 2020 eine weitere Reise geben um den weiterhin bestehenden Rückstand aufzuholen. Denn wie bereits an anderer Stelle geschrieben, schrumpfte das französische Eisenbahnnetz in den letzten Jahren schneller, als es mir möglich war diese anfallenden Strecken ablaufen. Für 2020 ist daher abzusehen, dass der letzte Rückstand nahezu aufgeholt wird. Es bleibt aber auch abzuwarten, welche Bahnlinien zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2019 „fallengelassen“ werden.

Einige Wandertage endeten mit einem Zeltplatz direkt neben der Bahnlinie. Wie hier auf dem Bahnsteig am Haltepunkt Chambron-Laviers

Streckenwanderung: Oyonnax – Saint-Claude, April 2019

Streckenwanderung auf dem 31 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Oyonnax und Saint-Claude

Geschichtlicher Abriss:

Die 123km lange eingleisige Eisenbahnlinie, die überwiegend im Département Jura liegt, wurde ab dem Jahr 1867 errichtet. Der Lückenschluß – und damit die durchgehende Befahrbarkeit – wurde im Jahr 1912 erreicht, als der letzte Abschnitt Saint-Claude – Morez in Betrieb ging. Auf der gesamten Linie gibt es 31 Tunnel. Die Konzessionen gingen an die Firma „Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée“ (kurz PLM), die auch den Betrieb der Strecke bis zur Eingliederung in die SNCF im Januar 1938 ausführte.

Ein Teilausschnitt der SNCF-Streckenkarte. Der Verkehr zwischen Oyonnax und Saint-Claude ist ausgesetzt

Auf dieser Google Maps-Karte sind der Streckenverlauf sowie die Standorte der Bahnübergänge eingetragen

In Ermangelung von Modernisierungsarbeiten war für den Zeitraum 2015-2016 die Schließung des Abschnitts zwischen Oyonnax und Saint-Claude geplant. Der Planvertrag für die Region Rhône-Alpes für den Zeitraum 2015 – 2020 sah die Finanzierung der erforderlichen Arbeiten auf mehreren kleinen Strecken vor, unter anderem zwischen Saint-Claude und Oyonnax (in Übereinstimmung mit Region Franche-Comté). Am 10. Dezember 2017 schloss der Abschnitt jedoch endgültig, da für die durchzuführenden Renovierungsarbeiten keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen.

Ausschnitt der detaillierten Streckenkarte, Quelle Wikipedia

Zur Vorbereitung verwendete ich Kartenausschnitte der Seite [www.geoportail.gouv.fr] Hier gibt es auch die Möglichkeit alte Flurkarten auszuwählen, die bei der Suche nach alten Bahnübergängen sehr hilfreich sind. Zudem nutze ich diese Karte (offline als Screenshots gespeichert) während der Wanderung als Orientierung. Die Luftbildaufnahmen – ebenfalls sehr hilfreich um Bahnübergänge aufzuspüren die seit 30 oder 40 Jahren verschwunden sind – gibt es kostenlos unter der Seite https://remonterletemps.ign.fr/ . Auch der französische Wikipedia Artikel war sehr nützlich für die einzelnen Jahresangaben: https://fr.wikipedia.org/wiki/Ligne_d%27Andelot-en-Montagne_%C3%A0_La_Cluse. Die Postkarten stammen von Ebay und den bekannten Seiten https://www.cparama.com/ sowie https://www.delcampe.net/fr/collections/cartes-postales/

Die Wanderung dauerte etwa 2 Tage, was für die 31 Kilometer eine passable Zeit ist. Von den insgesamt knapp 3.700 Fotos habe ich 1.500 Fotos für eine Veröffentlichung bearbeitet. Knapp 740 dieser Fotos habe ich in einer 15-teiligen Reportage im Forum Drehscheibe-Online hochgeladen. 

Hier die 15 Links zu den einzelnen Beiträgen:

1. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Oyonnay – PN 87 (53 Fotos)
2. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 87 – Kilometer 101 (53 Fotos)
3. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 101 – Kilometer 100 (53 Fotos)
4. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 100 – Kilometer 99 (53 Fotos)
5. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 99 – PN 81 (53 Fotos)
6. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 81 – Dortan-Lavancia – PN 78 (53 Fotos)
7. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 78 – Kilometer 92,600 (53 Fotos)
8. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 92,600 – Kilometer 90 (53 Fotos)
9. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 90 – Jeurre-Vaux – Vaux-lès-Saint-Claude (53 Fotos)
10. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Vaux-lès-Saint-Claude – Molinges (53 Fotos)
11. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Molinges – Chassal (53 Fotos)
12. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Chassal – Lavans-Saint-Lupicin (53 Fotos)
13. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Lavans-Saint-Lupicin – Tunnel de la Tuffe (54 Fotos)
14. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Tunnel de la Tuffe – PN 57 (54 Fotos)
15. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 57 – Bahnhof Saint-Claude (52 Fotos) 

Alle Fotos 1621 sind in einem einzigen Fotoalbum bei „Google Photos“ hinterlegt und über diesen Link aufrufbar:

https://photos.app.goo.gl/oFXEH3dZbAzk74tg9

Streckenwanderung Laqueuille – Ussel April 2019

Geschichtlicher Abriss:
Die von mir besuchte Strecke besteht aus Teilen der beiden Strecken „Ligne du Palais à Eygurande – Merlines“ (Wikipedia Klick) und Ligne d’Eygurande – Merlines à Clermont-Ferrand (Wikipedia Klick). Die Konzessionen für beide Strecken wurden 1868 und 1872 an die Firma Compagnie du chemin de fer de Clermont à Tulle vergeben. Noch während der Bauphase geriet die Firma in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von der staatlichen Administration des chemins de fer de l’État (kurz État, Wikipedia Klick)) übernommen. Diese baute die beiden Strecken mit eine Länge von zusammen 208 Kilometern fertig und eröffnete sie in den Jahren 1880 &amp;amp; 1881. Nach einer Vereinbarung vom 28. Juni 1883 (und per Gesetz am 20. November 1883) wurden beide Strecken an die private Firma Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (kurz PO, Wikipedia Klick) verkauft. Die PO wurde am 1. Januar 1938 verstaatlicht und damit Teil der SNCF

Ein Ausschnitt aus der Streckenkarte der SNCF. Die betreffende Strecke von Laqueuille nach Ussel ist mit roten Punkten eingezeichnet

Die Abschnitte Meymac – Ussel – Eygurande-Merlines – Clermont-Ferrand wurden für einen zweigleisigen Ausbau vorbereitet. Diese Vorbereitung umfasste unter Anderem: Tunnel, Brücken und Unterführungen. Geländeaufschüttungen und Einschnitte waren oft nur für ein einzelnes Streckengleis erbracht worden. Der Abschnitt Volvic – Clermont-Ferrand (21km lang) wurde um ein 2. Gleis erweitert und ist auch noch heute zweigleisig. Für den Abschnitt Laqueuille – Eygurande-Merlines (22Km lang) wird grob angegeben, dass dieser von 1910 bis 1946 zweigleisig war. Andere Quellen nennen andere Zahlen mit weiteren Details: So wurde das 2. Gleis während des 1. Weltkrieges wieder demontiert und nach Ende des Krieges erneut wieder aufgebaut. In der Zeit der deutschen Besatzung wurde das 2. Gleis abermals demontiert, aber nach dem Krieg nicht wieder errichtet. Die übrigen Abschnitte erhielten keinen Ausbau um ein zweites Streckengleis.

Die Schließung des Abschnitts zwischen Eygurande-Merlines und Laqueuille erfolgt am 6. Juli 2014 wegen mangelnder Wartung und Instandhaltung. Er „bietet keine Sicherheitsgarantien mehr“, so der Infrastrukturbetreiber. Um die Aufrechterhaltung des Schienenverkehrs zu ermöglichen, hätten 21.000 Schwellen ersetzt werden müssen. Dies wäre zu einem Preis von 7 Millionen Euro möglich gewesen. Beteiligen sollten sich die SNCF (in Form der RFF), der Staat, sowie die Regionen Limousin und Auvergne. Die Finanzierung scheiterte an der Region Auvergne, wodurch die Schließung der Linie unausweichlich wurde. Zwar hatte die Auvergne einen größeres Investitionsprogramm auf den Weg gebracht, dieses fokussierte sich aber auf Strecken mit mindestens 9 Zügen pro Tag, was bei der Strecke nach Eygurande-Merlines mit nur 3 Zügen nicht der Fall war (Quelle: https://france3-regions.francetvinfo.fr). Grotesker Weise wurde der Verkehr ebenfalls auf dem Abschnitt Ussel – Eygurande-Merlines eingestellt, obwohl hier keine Sanierung erforderlich gewesen wäre. Im Gegenteil, dieser Abschnitt ist an vielen Stellen in einem sehr guten Zustand. Vermutlich waren es interne Gründe bei der SNCF die dazu führten (Fahrzeugumläufe z.B. oder das geringe Reisenden Aufkommen). 

Das Streckenband der Strecke. Quelle hier und hier (beide von Wikipedia)

Zu den Fotos:
Meine Fotoreportage von 2017 konnte ich hier leider nicht veröffentlichen, da der erste Wandertag von Regenschauern überschattet war und die Kamera für mehrere Kilometer im Rucksack bliebt. Zusätzlich kam es zu einem Datenverlust von ca. 5 Kilometern Strecke. Da ich hier keine Streckenbegehung mit großen Lücken zeigen möchte, bereiste ich die Strecke im April 2019 erneut.

Auf dem Fundus von mehreren tausend Fotos entstand ein 15-teiliger Bildbericht mit zusammen 790 Fotos. Anbei sind die weitereführenden Links zu allen 15 Teilen hier aufgelistet:

1. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Einleitung + Laqueuille – PN 291
2. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 291 – PN 287
3. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 287 – PN 284
4. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 284 – PN 282
5. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 282 – Port Sec des Houillères de Messeix
6. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Port Sec des Houillères de Messeix – Bourg-Lastic – Messeix
7. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Bourg-Lastic – Messeix – PN 277
8. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 277 – Viaduc de Chavanon
9. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Viaduc de Chavanon – Eygurande-Merlines
10. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Eygurande-Merlines – Kilometer 512,4
11. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 512,4 – 509,300
12. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 509,300 – Aix-la Marsalouse – Kilometer 506,500
13. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 506,500 – PN 70
14. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ PN 70 – Kilometer 499
15. Teil: https://www.drehscheibe-online.de/ Kilometer 499 – Bahnhof Ussel

Die Fotoserie speist sich aus den Fotos der Jahre 2017 und 2019.

Beide Fotoordner sind bei Google Photos hinterlegt und können auch direkt angesehen werde. Dem Umfang der Fotos ist um einiges größer und daher empfehle ich eher die 15. Teile Serie oben, da diese Ansicht einfacher ist und es mehr begleitende Text gibt, als im reinen Fotoalbum:

Fotoalbum 2019 (mit 1213 Fotos!)https://photos.app.goo.gl/pMuGzb6RhDUeWJR3A
Fotoalbum 2017 (mit 983 Fotos!)https://photos.app.goo.gl/oJ3VRa95DOHTGY4D3

Bericht von unterwegs: Sarralbe – Sarre-Union (2019)

Die Strecke wechselte mehrere Male den Besitzer und hatte daher mehrere Zuständigkeiten. Einflüsse aus der Zeit zwischen den Jahren 1871 und 1918 sind z.B. „typisch“ deutsche Kilometersteine. Auch waren viele deutsche Stahlwerke beschäftigt um für diese Strecke Schienen und Stahlschwellen zu liefern. Kriegshandlungen und Reparaturen führten zu einem großen Mix an verschiedenen Schienen.

Seit keine Personenzüge mehr nach Sarre-Union fahren, ist der Streckenabschnitt Sarralbe – Sarre-Union ohne Zugverkehr. Der Zugverkehr wurde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 beendet.

Auf dem 9 Kilometer langen Streckenabschnitt breitet sich nun wieder die Natur aus. Bei meinem Besuch Ende August 2019 war das Gras bereits dabei die Gleise zu verdecken. 

Der Bahnhof von Sarralbe
Ausblick auf die verwaistern Gleise im Bahnhof Sarralbe
An einem der Bahnüberänge an der Strecke
An der Strecke. Blickrichtung Sarralbe
Streckenkilometer 26
Das Empfangsgebäude am Bahnhof Sarre-Union